Wasserwerk Wald

Für uns ist es selbstverständlich, dass sauberes und gutes Wasser jederzeit und in beliebiger Menge aus dem Wasserhahn kommt. Wo jedoch unser Trinkwasser gewonnen wird, welche wichtige Rolle der Wald dabei spielt und welche Gefährdungen dem kostbaren Lebensmittel drohen, darüber macht man sich eher selten Gedanken.

Immer wieder bringen Presse und Rundfunk in einzelnen Regionen Meldungen über Qualitätsverluste des Rohwassers. Vor allem in landwirtschaftlich intensiv genutzen Gebieten ist das Grundwasser häufig besonderen Belastungen ausgesetzt. Der Boden kann die ausgebrachten Mengen an Dünger und Pestiziden nicht mehr vollständig zurückhalten, so dass sie teilweise als Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Gefahrenstoffe im Trinkwasser:
• Nitrate
• Pestizide
• Arzneimittelrückstände
• Organohalogene

Verglichen mit dem Grundwasser, das in landwirtschaftlich intensiv genutzten und dicht besiedelten Gebieten gewonnen wird, ist das unter Waldflächen gesammelte Wasser meist von so guter Qualität, dass es ohne zusätzliche Aufbereitung sofort als Trinkwasser genutzt werden kann. Entscheidend für die gute Beschaffenheit des Grundwassers unter Waldflächen ist eine dauerhafte Bestockung. So sind laubholzreiche Mischwälder mit einem dichten Nebeneinander von jungen und alten Bäumen gegenüber Gefährdungen durch Windwurf oder Borkenkäferfrass sehr stabil.

Geht der Wald durch Sturmwurf, durch die neuartigen Waldschäden oder einen grösseren Kahlhieb verloren, dann wird der im Humus des Waldbodens gespeicherte Stickstoff verstärkt abgebaut und das darin gespeicherte Nitrat freigesetzt. Darüberhinaus fehlen die Pflanzen, die Stickstoff als Nährstoff aufnehmen können. Die Folge ist ein Ansteigen der Nitratbelastung des Grundwassers, die Örtlich den Grenzwert der Trinkwasserverordnung deutlich überschreiten kann.

Wälder liefern nicht nur sauberes Wasser, sondern tragen auch dazu bei, dass uns das kostbare Nass das ganze Jahr, auch in regenarmen Zeiten, gleichmässig zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu landwirtschaftlich genutzten Flächen fliesst das Regenwasser im Wald nicht rasch auf der Bodenoberfläche ab, sondern dringt tief in den speicherfähigen Waldboden ein. Wenn der Waldboden sich wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen hat, gibt er den Überschuss langsam wieder an das Grundwasser ab.

Wälder sind durch Luftschadstoffe besonders betroffen. Insbesondere Nadelbäume filtern mit ihren grossen, immergrünen Baumkronen Stäube und Gase aus der Atmosphäre aus. Im Vergleich zur offenen Landschaft wird im Wald mehr als doppelt so viel Schwefel und erheblich mehr Stickstoff abgelagert. Der mit Schadstoffen angereicherte Regen versauert Waldböden und in manchen Gegenden bereits das Grundwasser.

Auch erhöhte Nitratgehalte belasten zunehmend das Grundwasser aus dem Wald. Stickoxide, insbesondere aus dem Kraftfahrzeugverkehr und Ammoniak aus der Viehwirtschaft werden in grossem Umfang in die Atmosphäre abgegeben (siehe Graphik S.24). Bis zu 30 kg Stickstoff je ha und Jahr kann ein Fichtenwald aus der Luft ausfiltern. Wird Wäldern auf Dauer mehr Stickstoff aus der Luft zugeführt, als im Holz oder im Boden gespeichert werden kann, gelangt der überschüssige Stickstoff mit dem Sickerwasser als Nitrat in das Grundwasser oder beeinflusst als Gas (Lachgas) den Spurenhaushalt der Atmosphäre.

Grundwasser hat ein langes Gedächtnis für Schadstoffe. Selbst wenn die Ursachen für die Verschmutzung des Grundwassers beseitigt wurden, vergeht oft noch ein langer Zeitraum, bis die Brunnen wieder sauberes Wasser liefern. Wir müssen daher das Grundwasser schützen, denn Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Wir alle können dazu beitragen, damit klares Wasser in Zukunft nicht zur teuren Mangelware wird.

Was jeder zum Schutz des Trinkwassers beitragen kann:
• Sparsam mit Wasser umgehen
• Wassergefährdende Stoffe in Haushalt und Gewerbe vermeiden
• Umweltfreundliche Verkehrsmittel benutzen und Energie sparen, um die Schadstoffbelastung der Luft zu vermindern
• Bewusst Lebensmittel und Gebrauchsgüter kaufen, die umweltgerecht und grundwasserverträglich hergestellt wurden

Quelle: Kompletter Beitrag unter: www.wald-in-not.de