Was ist ein Waldkindergarten?
Ein Waldkindergarten ist ein Kindergarten ohne Wände und Türen. Stattdessen spielen, toben, basteln, singen und vor allem lernen die Kinder in und von der Natur. Und dies ganzjährig bei jedem Wetter.
Dies ermöglicht es den Kleinen, den jahreszeitlichen Rhythmus direkt wahrzunehmen. Bei Gewitter und Sturm wird ein aus Sicherheitsgründen natürlich ein Schutzraum aufgesucht - der Bauwagen. Ansonsten werden die Kinder ganau wie im Regelkindergarten von ausgebildeten Erziehern /-innnen betreut und angeleitet.
Die Organisation unterscheidet sich nur unwesentlich vom Regelkindergarten, als Träger fungiert i.d.R. ein Verein. Die pädagogischen Inhalte enthalten alle gesetzlichen Vorgaben, die Trägervereine setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Ähnlich wie in einem kirchlichen Kindergarten die christliche Erziehung stärker im Vordergrund steht als bei einer kommunalen Einrichtung. Die Schwerpunkte liegen in der Umwelterziehung, dem Sozialverhalten oder der Bewegung.
Im Waldkindergarten wird nicht nur auf ein Gebäude verzichtet, sondern auch auf vorgefertigtes Spielzeug. Lediglich einige Werkzeuge werden mitgenommen. Die Kleinen müssen mit den in der Natur vorhandenen Gegenständen auskommen.
Tannenzapfen, Holzstücke, Lehm ersetzen Puppen und Legosteine. Dies fördert neben der Kreativität auch die Sprachkompetenz der Kinder, da sie auf den verbalen Austausch mit den anderen Kindern angewiesen sind. Desweiteren bewirkt die ständige Konfontation mit dem unebenen und nicht aufgeräumten Waldboden ein Training des Gleichgewichtssinnes und der Grobmotorik.
Nicht zuletzt deshalb liegt die Unfallgefahr bei Waldkindergärten unterhalb derer von "Gebäude"-kindergärten, bei denen doch jeder Stab des Treppengeländers laut DIN Norm sicher ist. Das hängt aber eventuell auch mit einem anderen Gefahrenbewusstsein der Waldkindergartenkinder zusammen.
Hintergrund: Die Idee des Waldkindergartens stammt aus Dänemark, dort wurde der erste Waldkindergarten 1954 gegründet. Die junge Mutter, Ella Flatau, ging regelmässig mit ihren Kindern zum Spielen und zur Naturbeobachtung in den Wald. Nachbarn und Freunde schlossen sich der Idee an und gründeteten eine Initiative. So entstand 1954 in dem skandinavischen Land der erste Waldkindergarten. In Dänemark gehört heute diese Form der Kinderbetreuung zu padagogischen Standard. In Deutschland wurde der erste "Waldkindergarten" 1968 als Privatinitive in Wiesbaden gegründet. Der erste offiziel anerkannte existiert seit 1993 in Flensburg und wird auch seit dieser Zeit von der Stadt Flensburg gefördert. Heute bestehen zwischen 350 und 400 Waldkindergärten in Deutschland.
Mehr Informationen: Waldkindergarten Bensheim e.V.