Interview: Fotovoltaik
Erneuerbare Energien sind mit menschlichen Massstäben gemessen unerschöpflich. Entweder ist die vorhandene Energiemenge so gross, dass sie durch einfache Nutzung nicht geschmälert werden kann (z. B. Sonnenenergie) oder sie erneuert sich zeitnah und kontinuierlich (z. B. Biomasse). Rund 90 Prozent des konventionellen Stroms werden in konventionellen Kraftwerken produziert, hauptsächlich mit Kohlekraftwerken (ca. 50 %) und Atomkraftwerken (ca. 30 %). Pro Kilowattstunde verbrauchten Stroms werden von der deutschen Durchschnittsproduktion gut 600 Gramm CO2 in die Luft geblasen.
Der Anteil erneuerbarer Energiequellen (Ökostrom) stieg in den letzten zehn Jahren von 4 auf 10 Prozent. Ökostrom stammt im wesentlichen aus Wasserkraft, Windkraft, Biomasse und Fotovoltaik. Solarstrom wird nirgends so sehr gefördert wie in Deutschland.
Nicht nur Hausbesitzer können von der Förderung profitieren; auch wer über kein eigenes Hausdach verfügt, kann Solarstrom produzieren, indem er sich an einer grösseren, so genannten Gemeinschaftsanlage beteiligt. Seit der Novellierung des Gesetzes zur Förderung Erneuerbarer Energien Anfang 2004 haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Solarstrom deutlich verbessert. Damit ist jetzt die Investition in Solarstromanlagen nicht nurökologisch sinnvoll sondern auch wirtschaftlich interessant.
Nachgefragt: Interview mit Steffen Lehrian und Dirk Krämer (Firma B & L Elektroanlagen GmbH) zu den Chancen der Solarstromerzeugung.
Redaktion: Wie schätzen Sie die Potenziale der Solartechnik in den kommenden Jahren ein?
Steffen Lehrian: Fotovoltaik ist unumstritten die Technik des 21. Jahrhunderts zur dezentralen Stromerzeugung. Nur kommen die Produktionsverfahren nicht so richtig in Gang. Ein Fotovoltaikmodul mit einer Leistung von 100 Watt kostet heute noch ca. 300 €. Es könnte heute ebenso 50 € kosten, wenn die Herstellungsverfahren weiter vorangeschritten wären.
Dirk Krämer: Der Schmelzprozess für Solarzellen ist sehr aufwendig und es wird immer noch teures Silizium aus der Chip-Produktion verwendet. Aktuell werden unzählige Modulfabriken gebaut, jedoch wird das Solar-Silizium immer noch zu aufwendig und in zu kleinen Mengen produziert. Hier sind grosse Investitionen notwendig, die von vielen Herstellern derzeit noch gescheut werden. Fotovoltaik muss jetzt deutlich günstiger werden solange die Investitionsbereitschaft bei den Energiekunden besteht.
Steffen Lehrian: Die technischen Voraussetzungen für Preiswerte Solarmodule sind längst gegeben. Eine Solarzelle kostet heute noch 5 €, könnte im Rahmen der Massenfertigung für 0,5 € hergestellt werden.
Redaktion: Welche Solarzellen sind den derzeit auf dem Markt und können die Leistungsmerkmale der Solarmodule wie z. B. Baugrösse oder der Wirkungsgrad noch wesentlich gesteigert werden?
Dirk Kraemer: Man unterscheidet heute noch zwischen monokristallinen, polykristallinen und Dünnschichtmodulen. Die Wirkungsgrade der Solarzellen können nur mit hohem Aufwand verbessert werden. Im Stromertrag besteht ohnehin kaum noch ein Unterschied zwischen mono- und polykristallinen Modulen. Von Dünnschichtmodulen verspricht man sich zukünftig den Durchbruch bei den Kosten. Bei diesem Modultyp wird das Silizium quasi nur noch auf ein Trägermaterial gesprüht.
Steffen Lehrian: Der Trend geht aktuell zur Herstellung von polykristallinen Modulen in hohen Stückzahlen. Absehbar ist eine Marktdominanz japanischer Hersteller in Massenfertigung. Der grosse Sprung zu billigen Solarmodulen liegt aber immer noch in weiter Ferne. Die Herstellung einer Solarzelle macht immer noch 70% der Kosten aus.
Redaktion: Kann es sich lohnen noch länger abzuwarten?
Steffen Lehrian: Bei den Modulen ist der Stand der Technik ausgereizt und unwesentlich zu verbessern. Die Einspeisevergütung ist mit 51,8 Cent/kWh sehr hoch und sinkt für neu gebaute Anlagen jährlich um 5 %. Fotovoltaik ist damit eine rentable Kapitalanlage. Jedoch ist der Markt so gut wie leer gefegt. Dadurch kommt es aktuell zu überhöhten Preisen.
Redaktion: Wie lange kann eine Fotovoltaikanlage Strom erzeugen und welche Faktoren beeinflussen den Stromertrag?
Steffen Lehrian: Derzeit geht man von folgenden Annahmen aus:
• Die Lebenserwartung einer Fotovoltaikanlage ist länger als 30 Jahre.
• Die Solarzellen arbeiten unbegrenzt.
• Die Solarmodule können altern und undicht werden.
• Die Zellen sind in Kunstharz zwischen Sicherheitsglas und absolut resistenter Folie versiegelt.
• Die Modulhersteller geben eine Leistungsgarantie auf die Module von 25 Jahren.
• Die Leistungsgarantie bürgt für eine Mindestleistung von zumindest 80 % der Mindestleistung im Datenblatt.
Dirk Krämer: Es gibt jedoch noch einige Rahmenbedingungen die den Stromertrag beeinflussen. Das Dach darf nicht verschattet werden und die Dachneigung zwischen 15 und 50 Grad betragen. Im Winter ist der Schatten unwesentlich, da hier nur ein Bruchteil des Jahresertrages produziert wird. Im restlichen Teil des Jahres sollte kein Schatten auf der geplanten Anlage liegen. Bei einem Flachdach spielt nur die Verschattung eine Rolle. Hier werden die Module auf einzelnen Alu-Blechkonsolen auf das Flachdach gestellt. Ausrichtung immer Süd und 30 Grad. Bei senkrechter Montage an einer Fassade liegt der Stromertrag ca. 25% niedriger.
Redaktion: Angenommen dasöffentliche Stromnetz fällt aus. Kann ich mich selbst versorgen?
Steffen Lehrian: Nein - die Wechselrichter schalten ab. Um eine Trennung vom Stromnetz zu erreichen müsste ein Netzschalter installiert werden, der sofort das Stromnetz abschaltet. Wechselrichter die bei Bedarf auf "Inselbetrieb" umschalten sind sehr teuer. Die autonome Stromversorgung eines Haushaltes ist auch nicht Sinn und Zweck der Fotovoltaik. Bei der Nutzung erneuerbarer Energien sind wir gut vom Start weggekommen - jetzt geht es in erster Linie darum Fotovoltaik zu verbreiten und wirtschaftlich zu machen.
Redaktion: Kann ich eine Fotovoltaik Anlage in Eigenleistung installieren? Benötige ich eine Baugenehmigung?
Dirk Krämer: Die Installation einer Fotovoltaikanlage an sich ist relativ einfach. Bei der Arbeit auf dem Dach sollte man sich jedoch unbedingt sicher fühlen! Steht das Gebäude direkt an einer Strasse oder Fussweg muss ein Gerüst aufgestellt werden, damit evtl. bei der Montage herunterfallende Teile aufgefangen werden. Bei der Montage muss Sicherheit oberste Priorität haben. Wer bei Regenwetter mit Turnschuhen ohne Absicherung auf dem Dach herumklettert gefährdet nicht nur sich selbst sondern auch andere. Das Gestell und die Module sind in der Regel an zwei Tagen montiert. Die elektrische Verbindung mittels Steckverbindungen ist einfach und sicher.
Steffen Lehrian: Fotovoltaikanlagen benötigen keine Baugenehmigung, solange sie am Gebäude montiert sind. Das gilt auch für Flachdächer! Wer in einer historisch angelegten Altstadt wohnt kann sich zur Absicherung beimörtlichen Bauamt erkundigen ob Auflagen zu erfüllen sind. Probleme tauchen vereinzelt auf, wenn der Einspeisezähler montiert werden soll. Im Hausverteilerschrank muss ein zweiter Zählerplatz frei sein. In der Vergangenheit war es nicht unbedingt üblich einen freien Zählerplatz vorzusehen. Sie können auch Ihrenörtlichen Installatur ansprechen ob er die Anlage montiert und wir liefern das komplette Know -How (und etwas Rabatt bekommt er obendrauf) :-))
Herr Lehrian, Herr Krämer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Fazit: Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG) im April 2000 werden in Deutschland Solarstromanlagen (PV-Anlagen) durch eine erhöhte Einspeisevergütung des erzeugten Solarstroms gefördert. Nach Auslaufen des 100.000-Dächer-Programms Mitte 2003, mit dem Solarstromanlagen über zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert wurden, war eine Neuregelung der Einspeisevergütung von Solarstrom nötig geworden. Mit der Novellierung des EEG (1. Januar 2004) gelten nun neue Vergütungssätze für Solarstrom, die erheblich über der bisherigen Vergütung liegen.
Für Anlagen bis zu einer Leistung von 30 kWp beträgt die Einspeisevergütung im Jahr 2004 57,4 Eurocent pro kWh, für grössere Anlagen ist die Vergütung etwas geringer. Gegenüber den 45,7 Cent/kWh, die bis Ende 2003 galten, bedeutet das eine Erhöhung um gut 25%. Die Vergütungssätze werden in jedem Folgejahr um 5% gesenkt. Da für Umweltinvestitionen von der KfW auch weiterhin zinsgünstige Darlehen gewährt werden, haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für PV-Anlagen deutlich verbessert.
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