Naturparks

Naturparks sind "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die grossräumig sind, überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind, sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird, nach den Erfordernissen der Raumordnung für die Erholung vorgesehen sind, der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird, besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern."

Aufgrund ihrer Zielsetzung, den Schutz und die Nutzung der Kulturlandschaften miteinander zu verbinden, sollen Naturparke verstärkt Funktionen im Rahmen einer integrierten nachhaltigen Entwicklung von Regionen wahrnehmen.

Vor diesem Hintergrund startete der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN) in Kooperation mit EUROPARC Deutschland e.V. im Sommer 2005 die "Qualitätsoffensive Naturparke". Im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raktorsicherheit geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurde ein  bundesweit einheitlicher Kriterienkatalog zur Evaluierung der deutschen Naturparke erarbeitet. Zentrales Ziel der Qualitätsoffensive, welche auch einen herausragenden Bestandteil bei den zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen anlässlich des Jahres der Naturparke 2006 (50 Jahre Naturparke in Deutschland) darstellte, ist dabei eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeit der Naturparke.

Nach wie vor besteht eine grosse Heterogenität unter den deutschen Naturparken: Das gesetzlich vorgegebene Ziel der Pflege und Entwicklung wird in den einzelnen Naturparken und Bundesländern sehr unterschiedlich verfolgt. Ursachen hierfür liegen u.a. in den von Trägern und Ländern geschaffenen strukturellen Rahmenbedingungen, an je nach Land unterschiedlichen Gesetzesvorgaben und Schwerpunktsetzungen in den Naturpark-Konzepten und Naturparksatzungen oder auch an den unterschiedlichen Ausrichtungen der Naturpark-Trägerorganisationen.

Teilweise sind die Naturparkverwaltungen Bestandteil der Landesumweltverwaltung, teilweise haben Vereine und Zweckverbände die Naturparkträgerschaft übernommen. In einigen Bundesländern ist die Erstellung von Naturparkplänen vorgeschrieben. Eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung möglichst eigenständiger Verwaltungen sollte ebenso gewährleistet werden wie die Erstellung regelmässig fortzuschreibender Naturparkpläne. Die unterschiedlichen strukturellen Herangehensweisen lassen keinen automatischen Rückschluss auf die Qualität der einzelnen Naturparke zu.

In Deutschland wurde bereits 1898 vor dem preussischen Abgeordnetenhaus für die Errichtung sog. Staatsparke plädiert. Die in einem Gutachten 1901 geforderten staatlichen Aufkäufe grosser Flächen naturnaher Landschaften und deren gesetzlich verankerter Schutz waren jedoch schwer zu verwirklichen. Auf Anregung der Gesellschaft der Naturfreunde „KOSMOS„ wurde 1909 der „Verein Naturschutzpark (VNP)„ mit der Zielsetzung gegründet, je eine ursprüngliche und eindrucksvolle Landschaft mit den dazugehörigen Tier- und Pflanzengemeinschaften unter Schutz zu stellen, und zwar im Hoch- und Mittelgebirge sowie im Norddeutschen Tiefland.

Die letztere betreffend entstand durch Flächenkäufe ab 1911 der erste deutsche „Naturschutzpark„ in der Lüneburger Heide, der 1921 als Naturschutzgebiet rechtlich verankert wurde. Dabei blieb es bis Mitte der 1950er Jahre. Erst die zunehmende Industrialisierung und die damit einhergehende Verschlechterung der Wohn- und Arbeitsbedingungen der Bevölkerung sowie die breitere Motorisierung im Einklang mit der wachsenden Freizeit und dem höheren frei verfügbaren Einkommen brachten eine Wende.

Am 06.06.1956 erhob Alfred Toepfer als Vorsitzender des VNP in der Bonner Universität die Forderung nach einem Naturparkprogramm. Danach sollten in der Bundesrepublik Deutschland 20 bis 25 Naturparke entstehen. Alfred Toepfer, der heute zurecht als Vater der Naturparkidee bezeichnet wird, lenkte die Geschicke des VNP von 1954 bis 1985 und ermöglichte durch sein grosszügiges Mäzenatentum und die mannigfache ideell-politische Starthilfe eine schnelle Verbreitung des Naturpark- Gedankens innerhalb der Bundesrepublik.

Das vorläufige Endziel war bereits im Jahre 1964 mit der Errichtung des 25. Naturparks im Rothaargebirge erreicht. Einen zweiten kräftigen Entwicklungsschub nach den 1960er Jahren leitete das im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands aufgelegte DDR-Nationalparkprogramm ein. In dessen Gefolge kam es in den letzten 15 Jahren zur Gründung einer ganzen Reihe von Naturparken, besonders in den neuen Bundesländern (gewissermassen als Konterreaktion darauf teilweise auch in einigen westlichen Bundesländern); weitere befinden sich zurzeit in der Planungsphase. Naturparke haben in den letzten 50 Jahren eine wahre Erfolgsgeschichte hinter sich gebracht.

Mit momentan 87 rechtlich festgesetzten und weiteren in unterschiedlichen Stadien der Planung befindlichen Naturparken steht das überschreiten der „Schallmauer„ von 100 Naturparken in Deutschland kurz bevor.