Regionalökonomische Effekte: Naturerfahrung, Sport und Erholung

Tourismus stellte 2005 in Deutschland einen Wirtschaftsfaktor in der Grössenordnung von 220 Milliarden € dar und sicherte die Beschäftigung von 2,8 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Die vielfältige Natur und Landschaft in Deutschland und die touristischen Angebote von Naturschutzakteuren sind ein bedeutender Anziehungspunkt für den inländischen Tourismus. Rund 290 Millionen Menschen besuchen jährlich die 97 Naturparks, 14 Nationalparks und 14 Biosphärenreservate in Deutschland. Laut einer Prognose des Ökoinstituts könnte jedes Prozent ersetzter Auslandsreisen durch inländische Urlaubsangebote rund 10.000 bis 15.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen lassen.

Natur und Landschaft in ihrer Vielfalt und Schönheit ermöglichen Sport, Erholung, Naturerfahrung und -erlebnis und prägen die regionale Identität. Tourismus, Sport und Erholung setzen sich gemeinsam mit dem Naturschutz für die Erhaltung der Kultur- und Naturlandschaften ein. Die Erholung in Natur und Landschaft ist eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden und die physische und psychische Gesundheit der Menschen. Derzeit gibt es insbesondere im Siedlungs- und siedlungsnahen Bereich zu wenig attraktive Erholungs- und Sportmöglichkeiten.

Die biologische Vielfalt bestimmt massgebend das Erleben von Natur und Landschaft. Für 42 % der Urlauber zählt "Natur erleben" zu den wichtigen Urlaubsmotiven, bezogen auf die inländischen Feriengebiete sogar für 74 %. 71 % der Bundesbürger und –bürgerinnen würden bevorzugt dort ihren Urlaub verbringen, wo man sich für den Schutz der Natur durch einen Nationalpark entschieden hat. Der Tourismus ist daher, wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig, auf eine intakte Natur und Umwelt angewiesen.

Andererseits können die Auswirkungen des Tourismus auf die biologische Vielfalt auch lokal und weltweit ein grosses Problem darstellen. Tourismus als Wirtschaftsfaktor kann sich deshalb nur dauerhaft erhalten, wenn seine Entwicklung nachhaltig ausgerichtet ist. Für die naturnahe Erholung sind auch Flächen im siedlungsnahen bzw. im besiedelten Bereich zu sichern.

Im Jahre 2004 unternahmen 2,5 Millionen Deutsche eine Urlaubsreise mit dem Fahrrad. Der umweltfreundliche Fahrradtourismus trägt schätzungsweise mit rund 5 Milliarden € zum touristischen Umsatz in Deutschland bei. Natursportarten wie Klettern, Wandern, Kanu fahren, Tauchen oder Angeln sind auf eine intakte Natur als Grundlage ihres Erlebniswertes angewiesen und bringen eine wirtschaftliche Wertschöpfung mit sich.

Der Umsatz im deutschen Wassersportmarkt lag 2002 bei 1,67 Milliarden €. Die 3,5 Millionen aktiven Angler in Deutschland geben pro Jahr über 3 Milliarden € aus und sichern damit 52.000 Arbeitsplätze. In Deutschland hängen an der Fischereiwirtschaft rund 45.000 Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Gastronomie sowie 4.300 Arbeitsplätze in der Seefischerei in Nord- und Ostsee.

Das Cluster Forst- und Holzwirtschaft, das neben der Forstwirtschaft mit seinen rund 2 Millionen Waldbesitzern auch die Holz be- und verarbeitende Industrie, Holzhandwerk, Papierwirtschaft, Verlags- und Druckereigewerbe, Holzhandel und Holztransport einschliesst, hat in Deutschland 185.000 Betriebe, über 1,3 Millionen Beschäftigte und rund 181 Milliarden € Jahresumsatz.

Auch in der Pharmaindustrie und im Heilpflanzenhandel hängen viele Arbeitsplätze von der Erhaltung der biologischen Vielfalt national und weltweit ab. Medikamente, die ausschliesslich aus Heilpflanzen gewonnen werden, haben im europäischen Markt ein jährliches Verkaufsvolumen von etwa 5 Milliarden €, davon allein 40 % in Deutschland. über 70 % der Deutschen nehmen pflanzliche Arzneimittel ein und gaben 2003 rund 2 Milliarden € für Phytopharmaka aus.

Im Wachstumsmarkt Erneuerbare Energien spielt vor allem der Biomasse-Sektor für die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt eine Rolle. Rund 57.000 Menschen arbeiten bisher in der Bioenergie-Branche, mit zunehmender Tendenz. Die energetische Verwertung von organischen Materialen von naturgerecht bewirtschafteten oder gepflegten Flächen innerhalb und ausserhalb von Schutzgebieten ist Ökonomisch sinnvoll und sichert das Ökologische Potenzial dieser Flächen.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung einer regionaltypischen Kultur- und Naturlandschaft leisten einen sehr wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung vor Ort, z. B. durch naturverträglichen Tourismus, durch Vermarktung naturverträglich erzeugter, regionaler Produkte oder durch Ansiedlung von Handel und Gewerbe mit hohen Umweltstandards. Zugleich unterstützen nachhaltige Wirtschaftsweisen direkt oder indirekt den Naturschutz vor Ort.

Die genannten Daten zeigen, dass von Schutz und nachhaltiger Nutzung der biologischen Vielfalt ausserordentliche ökonomische Effekte mit sehr positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ausgehen. Schutz und nachhaltige Nutzung der Biodiversität sind somit ein harter Standortfaktor für Deutschland. Gleichzeitig haben Natur und Landschaft auch Bedeutung als weicher Standortfaktor. So erfreuen sich neben durchgrünten Wohngebiete auch wohnortnahe Naturerlebnisräume und attraktive Naherholungsgebiete einer ganz besonderer Wertschätzung und können entscheidend dafür sein, dass sich Familien bzw. Betriebe in einer Region ansiedeln.