WOHIN SOLL DIE REISE GEHEN ?
Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist der Tourismus auf eine intakte Umwelt angewiesen. Doch wenn zu viele Menschen am gleichen Ort Ruhe und Natur finden wollen, zerstören sie das, was sie eigentlich suchen. Im Gegenzug profitiert die Umwelt unter bestimmten Voraussetzungen vom Tourismus: Der Erhalt historischer Stätten oder Schutzgebiete ist ansonsten nicht finanzierbar. Und; Tourismus gilt neben Informations- und Biotechnologie als eine der größten Wachstumsbranchen.
Naturschutzgebiet Felsberg! NATURA 2000! Schlagworte machten die Runde und plötzlich dringt es wieder ins Bewusstsein, das Schreien der Bussarde am Hohberg und der intensive Geruch des Waldes nach einem Sommerregen oder das Glitzern des Sonnenlichts im Morgentau und die Frage "Ist jetzt der Punkt erreicht, an dem es heissen muss: Ausbau des Felsenmeer-Tourismus - bis hierhin und nicht weiter?". Solche Wahrnehmungen gehen oft unter im täglichen Stress.
Politische Mehrheiten und wie diese zustande kommen sind eine Sache. Was diese dann zustande bringen eine andere und so bleibt abzuwarten, ob die verantwortlichen Amts- und Mandatsträger in Lautertal es schaffen sich zusammen zu raufen, um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen oder unseren Kindern verbrannte Erde hinterlassen. To whom it may concern.
Biologische Vielfalt
Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen reinigen Wasser und Luft und sorgen für fruchtbare Böden. Intakte Selbstreinigungskräfte der Böden und Gewässer sind wichtig für die Gewinnung von Trinkwasser.
Die natürliche Bodenfruchtbarkeit sorgt für gesunde Nahrungsmittel.
Dies alles funktioniert nicht mechanisch, sondern läuft in einem komplexen ökologischen Wirkungsgefüge ab. Ökosysteme verfügen über eine hohe Aufnahmekapazität und Regenerationsfähigkeit – aber sie sind nicht beliebig belastbar. Wirtschaft und Gesellschaft sind auf die Nutzung von Natur und Landschaft angewiesen.
Dies gilt selbstverständlich für Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Verkehr, Tourismus, Gewerbe und Wohnen. Wie kann unter den Bedingungen einer modernen Industriegesellschaft Schutz und Nutzung der biologischen Vielfalt so gestaltet werden, dass die Vielfalt der Arten und Naturräume erhalten wird und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Interesse an einer angemessenen Nutzung realisiert werden kann? Die optimale Verknüpfung der beiden Seiten ist eine Schlüsselfrage der nachhaltigen Entwicklung.
Naturlandschaften
Naturschutz hat in Deutschland eine lange Tradition. 1898 wurde bereits vor dem preußischen Abgeordnetenhaus für die Errichtung sog. Staatsparke plädiert. Die in einem Gutachten 1901 geforderten staatlichen Aufkäufe großer Flächen naturnaher Landschaften und deren gesetzlich verankerter Schutz waren jedoch schwer zu verwirklichen. Auf Anregung der Gesellschaft der Naturfreunde „KOSMOS„ wurde 1909 der „Verein
Naturschutzpark (VNP)„ mit der Zielsetzung gegründet, je eine ursprüngliche und eindrucksvolle Landschaft mit den dazugehörigen Tier- und Pflanzengemeinschaften unter Schutz zu stellen, und zwar im Hoch- und Mittelgebirge sowie im Norddeutschen Tiefland.
Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke werden aufgrund ihrer Flächengröße auch als Großschutzgebiete (GSG) bezeichnet. In welchem Maße ein Naturschutzgebiet seine Schutzfunktion erfüllen kann, hängt nicht zuletzt von seiner Flächengröße ab. Kleine Naturschutzgebiete werden stärker von ihrer Umgebung beeinflusst als große und zeichnen sich daher oft durch einen schlechteren Erhaltungszustand aus.
Viele Naturschutzgebiete werden durch Nutzungen weiterhin beeinträchtigt. Hierbei handelt es sich um verschiedene Formen der Freizeitnutzung, Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Verkehr. Deshalb können die per Verordnung in den Naturschutzgebieten festgelegten Naturschutzziele bestimmte Nutzungsformen einschränken oder Gebote und Verbote zur Folge haben.
Der Schwerpunkt der UNESCO-Geopark-Initiative liegt darin, in Regionen mit einer einzigartigen Landschaft, besonderen Fossil- oder Mineralfundstellen oder bedeutenden geologischen Formationen den Menschen vor Ort ihr geologisches Erbe näher zu bringen, Identifikation mit der Region zu schaffen und Tourismus und Regionalentwicklung zu fördern. Geoparks sind keine neue Kategorie von Schutzgebieten, sondern sollen eine Möglichkeit bieten, den Schutz von Landschaft und Naturdenkmälern mit nachhaltiger Tourismus- und Regionalentwicklung zu verbinden.
Natürliche Lebensräume (Natura 2000)
Die schon länger in Deutschland existierenden Schutzgebietskategorien nach nationalem Recht (z.B. Nationalpark, Naturschutzgebiet, Landschaftsschutz- gebiet) wurden auf Initiative der Europäischen Union um weitere Schutzgebietskategorien nach EU-Recht ergänzt:
• Europäische Vogelschutzgebiete gem. der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (die sog. Vogelschutzrichtlinie) Sowie
• FFH-Gebiete gem. der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (die sog. Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie oder auch FFH-Richtlinie).
In den meisten Bundesländern befindet sich das Schutzgebietskonzept Natura 2000 noch im Aufbau, so dass bislang
nur wenige Erfahrungen bei der Umsetzung der Richtlinien und deren Auswirkungen auf den Tourismus vorliegen. Experten sind sich jedoch einig, dass sich die Meldung der Natura 2000-Gebiete bislang nicht bzw. nur sehr wenig auf die Nutzung ausgewirkt hat, da die Umsetzung bzw. Beachtung des Verschlechterungsverbotes in den meisten Bereichen noch aussteht. Durch die vorgeschriebenen FFH-Verträglichkeitsprüfungen werden vor allem von Seiten des Tourismus Hindernisse bei der weiteren touristischen Entwicklung erwartet, z.B. bei der Erweiterung oder Neuanlage einer touristischen Anlage innerhalb eines FFH-Gebietes.
In unserer zunehmend stärker fragmentierten und überformten Kulturlandschaft ist die Berücksichtigung der funktionalen und räumlichen Kohärenz von Schutzgebietssystemen von grosser Bedeutung für einen erfolgreichen Naturschutz. Zudem können viele Arten und Lebensraumtypen nicht isoliert in Schutzgebieten erhalten werden, da sie auf bestimmte Wechselbeziehungen mit ihrer Umwelt angewiesen sind. Dies macht den Aufbau eines funktionalen Biotopverbundes erforderlich.
Initiativen
Zugegeben man muss sie schon suchen, die Initiativen zum Thema Naturschutz, aber es gibt sie. In kleinen Nischen werden Waldkindergärten gegründet, macht sich die Vogelschutzgruppe zur Nistkastenpflege auf oder sammeln Schüler den Müll am Felsenmeer ein. Grosse Hoffnungen verbindet man auch mit dem GEOPARK Felsenmeer Informationszentrum der Gemeinde Lautertal (FIZ) am Fuss des Felsenmeers.

Typisch für die Kulturregion Odenwald sind z. B. die Streuobstwiesen. Streuobstwiesen werden ausschliesslich extensiv bewirtschaftet, d.h. sie werden nicht oder nur wenig gedüngt, auf Spritzmittel und Kunstdünger wird völlig verzichtet und die Wiesen werden ein bis zweimal im Jahr gemäht. Zu den Höhepunkten der Streuobstwiese zählt die Blüte der Hochstamm-Obstbäume, die der gesamten Landschaft einen einzigartigen Reiz und bedeutenden Erholungswert verleiht.
Am Eulenturm, einem alten Elektro-Umspannwerk das 1979 von der Vorgelschutzgruppe Reichenbach übernommen und zu einem Unterschlupf umgebaut wurde, haben sich neben Fledermäusen auch die Waldohreule und Waldkäuze eingenistet. Auch wurden zahlreiche Amphibienteiche unter Regie der Vogelschutzgruppe angelegt und laufend gepflegt. Das jährliche Sommerfest am Talweg gehört zu den Höhepunkten des dörflichen Lebens in Reichenbach.
Für die mehr traditionell geprägte Landschaftspflege in Reichenbach zeichnet der örtliche Verschönerungsverein verantwortlich. Es ist wie ein Fenster in eine andere Zeit, wenn z. B. die Folkloregruppe beim Kerbeumzug Odenwälder Tracht präsentiert, als der Mensch von der Natur noch viel abhängiger war als heute. Besonders das Thema Wasser wird dort sehr hoch gehalten.
Jede Zeit hat ihre eigenen Fragen und die Antworten darauf fallen nicht immer einfach aus. Lautertal hat z. B. mit den Atomkraftwerken Biblis A und B zwei der ältesten Atommeiler Deutschlands vor der Haustür; gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Odenwald tut sich Widerstand auf, da die Windräder angeblich das Landschaftsbild verschandeln. Was tun? In Lautertal erfreut sich Fotovoltaik wachsender Beliebtheit und daher haben wir uns mit dem Installateur einmal unterhalten. Daraus ist letztlich ein recht ordentliches Interview entstanden.
"Und so lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss... ... damit das mit Bedacht geschieht, es die Kinder in die Felsenmeerschule zieht.". Sehr frei nach Wilhelm B. Gross jedenfalls war die Aufregung in Reichenbach als einige Bäume auf dem Schulhof der Felsenmeerschule gefällt wurden. Hinterher mussten einige Akteure der Alarmkette zugeben, dass die Bäume innen bereits morsch und verfault waren - stehendes Totholz sozusagen. Wie dem auch sei, einmal im Jahr machen sich alle Schüler auf zum Felsenmeer, um dort den herumliegenden Müll einzusammeln.
In Lautertal gibt es zwar fünf konventionelle Kindergärten aber keinen Waldkindergarten. Es war ein Trauerspiel, wie eine entsprechende Initiative aus Lautertal „verjagt" wurde. Zum Glück gibt es aber die Möglichkeit sein Kind im Waldkindergarten Bensheim oder Lindenfels anzumelden. Die Gemeinde Lautertal kann sich ja von den Jagdgenossen die Kosten zurückerstatten lassen – gelle.